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Finanzierung laufender Kosten nicht mehr gesichert
Soziale Einrichtungen im Sahlkamp werben um Spenden und Bürgerkredite

Aktion Bürgerkredit

Soziale Einrichtungen im Sahlkamp werben um Spenden und zinslose „Bürger-Kredite“ (v.l.n.r.): Julia Bredtmann vom Stöber-Treff Sahlkamp, Eberhard Irion, Geschäftsführer der Internationalen StadtteilGärten Hannover, Wolfgang Jarnot, Vorstandsvorsitzender des Stadtteilvereins SPATS, Christine Oppermann, Leiterin des NachbarschaftsDienstLadens NaDiLa, Petra Kühne, SPATS-Vorstandsmitglied und Claudia Lutz, Sozialarbeiterin im NaDiLa (Foto: Andreas Bodamer-Harig)

„Spätestens Ende Januar geht uns das Geld für unsere laufenden Kosten aus“, beschreibt Christine Oppermann, Leiterin des NachbarschaftsDienstLadens NaDiLa, die prekäre finanzielle Situation der sozialen Einrichtung im Zentrum des Stadtteils Sahlkamp. Damit das nicht passiert, versucht sie gemeinsam mit Eberhard Irion, Geschäftsführer der Internationalen StadtteilGärten Hannover (ISG), eine Zwischenfinanzierung zu organisieren. Zumindest so lange, bis die Stadt Hannover Geld an die Einrichtungen auszahlen kann. Die Stadt Hannover kennt die finanzielle Problemlage der Einrichtungen. Einigen Einrichtungen hat die Stadt zugesagt, an einer Lösung zu arbeiten – ein Ergebnis gibt es noch nicht.

Oppermann und Irion nennen ihren Aufruf „Aktion Bürgerkredit“. Sie werben sowohl um Spenden als auch um zinslose Darlehen. Geldspenden werden in jeder Höhe angenommen, denn „jeder Euro zählt“, so Oppermann. Darlehen sollten wegen des Verwaltungsaufwands ab eintausend Euro von Privatpersonen kommen, die eine der sozialen Einrichtungen auf diese Weise unterstützen wollen. Irion zum Hintergrund dieser ungewöhnlichen Aktion: „Weil der Rat der Stadt Hannover erst Ende März über den Doppelhaushalt für die nächsten beiden Jahre entscheidet, kann die Stadt uns den ersten Teil unserer Beihilfen erst im April überweisen. Wir haben aber keine Rücklagen, um bis dahin alle Kosten vorzufinanzieren.“ Irion schätzt, dass sein Verein ISG noch bis Ende Februar durchhalten könnte. „Aber dann ist Schluss“, resümiert er. Irion und Oppermann hoffen, dass es soweit nicht kommt. Sie setzen auf die Solidarität einiger wohlmeinender Bürgerinnen und Bürger, die ihnen zinsfreie Überbrückungshilfen zur Verfügung stellen. Insgesamt benötigen die drei Einrichtungen NaDiLa, Senior*innen-Aktiv-Zentrum und Internationale StadtteilGärten Darlehen über 45000 Euro, um bis April über die Runden zu kommen. Das Geld werde, so versichern die Einrichtungsleitungen, vertraglich gesichert und sofort zurückgezahlt, sobald die Stadt Hannover einen ersten Abschlag auf die kommenden Zuschüsse für das Jahr 2021 ausgezahlt habe. „Menschen, die uns helfen wollen, können uns im NaDiLa unter 6043581 oder bei den Internationalen StadtteilGärten unter 2604110 anrufen“, so Oppermann. Spenden können auf das Konto des SPATS-Vereins bei der Sparkasse Hannover, IBAN DE16 2505 0180 0900 1806 68, überwiesen werden.

Anders als bei den ISG, dem Senior*innen-Aktiv-Zentrum und dem NaDiLa, können einige soziale Einrichtungen im Sahlkamp die notwendigen Ausgaben für Personal, Mieten und weitere notwendige Kosten im ersten Quartal des kommenden Jahres vorfinanzieren. „Das ist bei kleineren Einrichtungen leider nicht der Fall“, erläutert Wolfgang Jarnot, Vorsitzender des SPATS-Vereins, der Träger des NaDiLa und des Senior*innen-Aktiv-Zentrums ist. Jarnot verweist darauf, dass der SPATS für derartige Überbrückungen keinerlei Rücklagen habe. „Wir leben von der Hand in den Mund“, pflichtet ihm seine Vorstandskollegin Petra Kühne bei, „denn aus städtischen Beihilfen für den NaDiLa und das Senior*innen-Aktiv-Zentrum dürfen wir verständlicherweise keine Rücklagen bilden.“

ISG, Senior*innen-Aktiv-Zentrum und NaDiLa sind drei der neun Einrichtungen in der „Hannoverschen Initiative für eine soziale Stadt“ (HISS), die sich vor einigen Monaten gegründet hat. Beteiligt sind daran auch der Pro Beruf Bildungsladen, der Kinder- und Jugendtreff Kiefernpfad des Verbands Christlicher Pfadfinder*innen (VCP), der Stöber-Treff Sahlkamp des Vereins Werkstatt-Treff Mecklenheide, das Seniorenbüro Sahlkamp der evangelisch-lutherischen Epiphanias-Kirchengemeinde und zwei weitere Einrichtungen des SPATS-Vereins: das NaDu-Kinderhaus und der Stadtteilbauernhof. Die Forderungen der HISS-Aktiven: Eine verlässliche Finanzierung ihrer sozialen Arbeit und Planungssicherheit für ihre insgesamt fünf freien Träger. Sämtliche Organisationen sind gemeinnützig. Zusammen benötigen die neun Sahlkämper Einrichtungen für 2021 und 2022 zusätzlich zu den bisherigen städtischen Beihilfen insgesamt rund 325000 Euro, um ihre Arbeit erfolgreich fortsetzen zu können. Alle Einrichtungen haben entsprechende Beihilfeanträge an die Stadt gerichtet.

Die HISS wird am 16. Dezember erneut vor das Hannoversche Congress Centrum (HCC) ziehen – mit Eselkutsche vom Stadtteilbauernhof, dem Café-Bauwagen der Internationalen StadtteilGärten und mit dem JuKiMob 2.0 vom Verband Christlicher Pfadfinder*innen. Dort werden sie die Mitglieder des Sozialausschusses über ihre Situation informieren.

Was eintreten wird, wenn der höhere Beihilfebedarf politisch nicht beschlossen wird, macht Ingrid Breuker, Mitglied im ehrenamtlichen Team des Seniorenbüros Sahlkamp, deutlich: „Unser Träger, die evangelisch-lutherische Epiphanias-Kirchengemeinde, müsste die Seniorenarbeit im Seniorenbüro Sahlkamp einstellen, da ein Büro ohne darin arbeitende Menschen und ohne Technik keinen Sinn ergibt.“ Das Seniorenbüro erhält bisher eine jährliche städtische Beihilfe von rund 3800 Euro. Benötigt werden wegen höherer Miet- und Mietnebenkosten in den ebenerdigen neuen Räumlichkeiten ab dem kommenden Jahr zusätzlich zweitausend Euro.

Ungehört bleiben die Forderungen der HISS nicht. Nachdem Oberbürgermeister Belit Onay in der Novembersitzung des Stadtbezirksrats Bothfeld-Vahrenheide den HISS-Aktiven ein Gespräch angeboten hatte, das im Januar stattfinden soll, zog jetzt die Sanierungskommission (SK) Sahlkamp-Mitte nach. Die Mitglieder der SK beschlossen einstimmig, dass sie eine Resolution an OB Onay, Finanzdezernent von der Ohe, Sozialdezernentin Bruns und Jugenddezernentin Rzyski schicken werden. Inhalt: Die Sanierungskommission erklärt sich solidarisch mit den Forderungen der HISS. „Das macht uns allen ein wenig Hoffnung“, fasst es Breuker vorsichtig zusammen.

Fragen zur Pressemitteilung beantworten gern:

Christine Oppermann,
Leiterin NachbarschaftsDienstLaden NaDiLa
Tel. 0511-6043581
E-Mail spatsev@htp-tel.de

Eberhard Irion,
Geschäftsführer Internationale StadtteilGärten Hannover e.V.
Tel. 0511-2604110
E-Mail info@isghannover.de

Mehr Informationen zum Bürgerkredit entnehmen Sie unserem Flyer:

Soziale Einrichtungen im Sahlkamp werben um Spenden und Bürgerkredite

 

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