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Hannoversche Initiative für eine Soziale Stadt kämpft um mehr Geld – Einrichtungen im Sahlkamp beklagen Unterfinanzierung

Neun Einrichtungen im Sahlkamp benötigen zusammen für die nächsten beiden Jahre exakt 324753,66 Euro mehr an städtischen Mitteln, um ihre erfolgreiche soziale Arbeit zu finanzieren (v.l.n.r.): Ingrid Breuker vom Seniorenbüro Sahlkamp, Maike Schaarschmidt vom Pro Beruf Bildungsladen, Eberhard Irion von den Internationalen StadtteilGärten Hannover, Claudia Lutz vom NachbarschaftsDienstLaden, Hanna Ahrens vom Stadtteilbauernhof, Laura Ihle vom NaDu-Kinderhaus, Vanessa Jünger vom Kinder- und Jugendtreff VCP Kiefernpfad und Sozialarbeits-Studierender Yannick Amend.

„So darf es nicht im nächsten Jahr weitergehen“, bringt es Angelika Bergmann, Leiterin des Stadtteilbauernhofs im Sahlkamp, auf den Punkt. „Unsere Einrichtung wird zu vierzig Prozent über eine städtische Beihilfe finanziert. Klar, wir sind froh, dass wir diese Unterstützung bekommen, doch das ist zu wenig“, betont Bergmann. Sechzig Prozent müsse sie jedes Jahr bei Unterstützern einwerben. Dabei ist Bergmann ein Aspekt ganz wichtig: „Wir wollen klarstellen, dass unsere Arbeit oftmals nur dann aufrecht zu erhalten ist, wenn sich die Einrichtungen mit zum Teil unvertretbar hohem Aufwand um notwendige Ersatzgelder kümmern müssen. Das geht zu Lasten unserer Zielgruppen.“ Und die würden in den verschiedenen Einrichtungen der freien Träger im Sahlkamp aus allen Bevölkerungsgruppen kommen: Kinder, Jugendliche, Senior*innen, Erwachsene und Familien.

Nicht viel anders als dem Stadtteilbauernhof geht es acht weiteren Einrichtungen im Sahlkamp, die sich ebenfalls eine verbesserte Grundfinanzierung für ihre pädagogische Arbeit von der Landeshauptstadt Hannover erhoffen. Dazu zählen die Internationalen StadtteilGärten Hannover, der Pro Beruf Bildungsladen, der Stöber-Treff des Vereins Werkstatt-Treff Mecklenheide, der Kinder- und Jugendtreff Kiefernpfad des Verbands Christlicher Pfadfinder*innen (VCP), das Seniorenbüro der Evangelisch-lutherischen Epiphanias-Kirchengemeinde und der SPATS-Verein mit NaDu-Kinderhaus, NachbarschaftsDienstLaden NaDila und Senior*innen-Aktiv-Zentrum. Die Einrichtungen haben unterschiedliche kommunale Förderquoten. Das NaDu-Kinderhaus erhält im laufenden Jahr sechsundvierzig, der Bildungsladen, die Internationalen StadtteilGärten und das Seniorenbüro jeweils sechzig Prozent. Beim Kinder- und Jugendtreff im Kiefernpfad sind es achtundsiebzig, beim NachbarschaftsDienstLaden dreiundfünfzig und beim Senior*innen-Aktiv-Zentrum zweiundsiebzig Prozent. „Allen Einrichtungen gemein ist, dass diese Förderquoten insgesamt zu niedrig sind“, erklärt Bergmann.

Nach Diskussionen in der Stadtteilrunde Sahlkamp – der „Koordinationsrunde Sahlkamp“ – sind sich die Einrichtungen einig, dass sie ihre finanzielle Situation zum öffentlichen Thema machen. Und so haben sie mit ihren fünf als gemeinnützig anerkannten freien Trägern sozialer Arbeit die „Hannoversche Initiative für eine Soziale Stadt“ – kurz HISS – zu neuem Leben erweckt. Laura Ihle, Leiterin des NaDu-Kinderhauses, erläutert die Beweggründe: „Nicht erst seit der Corona-Pandemie, aber insbesondere durch die sozialen Auswirkungen dieser Pandemie ist deutlich: Wir brauchen eine bessere Finanzierung für unsere soziale Arbeit.“ Die Einrichtungen arbeiten mit ganz unterschiedlichen Zielgruppen: Kinder und Jugendliche, Familien, Senior*innen, Langzeitarbeitslosen, Arbeits- und Ausbildungssuchenden. Ihle: „Alle unsere Einrichtungen setzen sich seit vielen Jahren, zum Teil seit Jahrzehnten, dafür ein den sozialen Frieden im Stadtteil zu sichern und Menschen darin zu stärken ihr Leben positiv zu gestalten.“ Dazu gehöre es, Menschen in Ausbildung und Arbeit zu bringen, Nachbarschaften zu stärken, interkulturelle Begegnungen zu fördern und eine gute gesellschaftliche Teilhabe zu ermöglichen. „All dies geht nur auf der Grundlage von guter Beziehungsarbeit und guten Arbeitsbedingungen“, unterstreicht Ihle.

Christine Oppermann, Leiterin des NaDiLa, fasst die Perspektive für die Einrichtungen zusammen: „Unsere soziale Arbeit in den unterschiedlichen Tätigkeitsfeldern können wir nur dann weiterhin so erfolgreich fortführen, wenn der Rat der Stadt Hannover die finanzielle Förderung in den Jahren 2021 und 2022 verstärkt. Daher fordern wir die Verantwortlichen in der Ratspolitik auf entsprechende Beschlüsse für die freien Träger der sozialen Arbeit während der Beratungen über die Haushaltspläne der kommenden zwei Jahre herbeizuführen.“ Diese Beratungen beginnen am 19. November, wenn die städtische Verwaltung ihre Entwürfe für den Doppelhaushalt 2021 und 2022 in den Rat der Stadt einbringt. Der Rat wird – nach wochenlangen Beratungen in Fraktionen, in den dreizehn Stadtbezirksräten und in den Fachausschüssen – letztlich am 25. März nächsten Jahres über den Doppelhaushalt entscheiden.

Die nächsten fünf Monate wollen die HISS-Aktiven nutzen, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen. Den Anfang machen sie mit einer Veranstaltung am 24. September von 14:30 Uhr bis 15:30 Uhr vor dem Hannover Congress Centrum (HCC). Dort findet die Ratsversammlung statt, in der gleich drei neue Dezernentinnen und Dezernenten gewählt werden sollen. „Wir wollen Planungssicherheit und verlässliche Finanzierung der sozialen Arbeit freier Träger für die nächsten Jahre erreichen“, so Eberhard Irion, Geschäftsführer des Vereins Internationale StadtteilGärten Hannover, „und letztlich geht es auch darum, dass die vielen engagierten Fachkräfte mehr Wertschätzung für die wichtige pädagogische Arbeit erfahren.“ Alle neun Einrichtungen benötigen für 2021 und 2022 insgesamt zusätzlich rund 325000 Euro zur Fortsetzung ihrer erfolgreichen sozialen Arbeit. „Der Sahlkamp ist einer der Stadtteile in Hannover, der viele Integrationsleistungen für die gesamte Stadt erbringt. Da sollte es der Politik doch möglich sein mit kreativen Ideen dieses Geld zur Verfügung zu stellen“, ist sich Irion sicher. Geld, das sicherlich sehr gut zur Aufrechterhaltung des sozialen Friedens und zur Stärkung demokratischer Strukturen in einem der fünf hannoverschen Quartiere investiert wäre, die zu den Programmgebieten „Sozialer Zusammenhalt“ gehören. Bauernhof-Leiterin Angelika Bergmann jedenfalls blickt optimistisch in das nächste Jahr: „Keine stadteigene Einrichtung hat so niedrige Förderquoten wie die unserer freien Träger. Da werden die Mitglieder des Rats der Stadt Hannover sicherlich die Ungleichbehandlung beenden wollen.“

Fragen zur Pressemitteilung beantworten gern:

Angelika Bergmann, Leiterin Stadtteilbauernhof Sahlkamp,
Tel. 0511-6044703
E-Mail stadtteilbauernhof@htp-tel.de

Eberhard Irion, Geschäftsführer Internationale StadtteilGärten Hannover e.V.,
Tel. 0511-2604110
E-Mail info@isghannover.de

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